Die Anreise
Fluchtartige Abreise in Menden
Jetzt wären wir also wieder bei der Abreise. Leibhaftig – wir starten gegen 14.30 UHR bei sonnigem Wetter und 11°C Außentemperatur Richtung Süden bzw. Richtung Afrika. Der KM-Stand in St. Augustin Menden beträgt 180.433 KM. So richtige Urlaubsstimmung mag noch nicht aufkommen, dazu waren die letzten Wochen zu stressig und mit zu vielen Haken und Ösen gespickt. Sollte dies ein Zeichen sein später oder gar nicht zu fahren? Auf diese und folgende Fragen können wir jetzt natürlich noch keine Antwort gegeben. Zu große Ungewissheit liegt vor uns. Werden Uwes Zähne halten? Können wir alle Gefahren geschickt umgehen? Hält unser Simbamobil alle Strapazen durch? Hält die genial entwickelte Alarmanlage mit Wegfahrsperre von Uwe? Diese Liste könnte noch unendlich fortgeführt werden, aber wenn wir so pessimistisch in die Zukunft blicken würden, dann hätten wir sicher einen Urlaub im Schwarzwald geplant. Also machen wir uns auf, um nach etwa 400 KM oder 70 KM vor Basel unser SIMBAMOBIL in Herbolzheim zu tanken und die Nacht zu verbringen. Uwe möchte die letzte Nacht in Deutschland verbringen, damit er bei Zahnschmerzen noch hier einen Zahnarzt aufsuchen kann. Die folgende Nacht kann er nur mit Schmerzmitteln überstehen. Dr. Rößler meinte, dass die Schmerzen im Laufe des nächsten Tages deutlich abnehmen sollten.
In Freiburg beim Zahnarzt
Am nächsten Morgen frühstücken wir noch gemütlich und fahren noch nach Freiburg rein.
- Freiburg Innenstadt -
Die Zahnschmerzen werden immer stärker, so dass wir hier noch die Zahnärztin Frau Dr. Hecht am Schwabentor aufsuchen. Sie ist der Meinung, dass die Schmerzen vom Weisheitszahn im Oberkiefer kommen. Es stehen nun drei Möglichkeiten zur Wahl: Erstens eine Wurzelkanalbehandlung, die aber mind. 3 Wochen dauern könnte und nicht unbedingt zum Erfolg führt. Zweitens könnte der Zahn gezogen werden. Uwe hat sich jedoch erst mal für die dritte Möglichkeit entschieden. Dazu wurde ihm ein Heilmittel gespritzt, dass die Entzündung hemmen soll und noch eine homöopathische Arznei verschrieben.
- Freiburger Dom -
Im günstigsten Fall sollte der Schmerz innerhalb der nächsten 2h abnehmen. Der Schmerz nimmt natürlich nicht ab, sondern wird noch stärker, so dass wir uns am Samstag an den Notarzt Dr. Kretschma wenden. Uwe ging mit der Absicht hin, den Zahn ziehen zu lassen. Der Zahnarzt ist jedoch der Meinung, dass der Zahn eine gute Funktion im Gebiss hat und noch eine Chance auf Rettung verdient. Dazu versucht er doch die äußerst komplizierte Wurzelbehandlung des Weisheitszahn. Leider wird der Schmerz nicht besser. Der anschließende Kinobesuch "Men in Black" wird für Uwe zum reinsten Schmerzhorror. Am nächsten Tag versucht der Zahnarzt noch einen vierten Kanal zu behandeln. Leider bleibt der Erfolg auch hier aus, so dass Uwe sich entschließt den Zahn ziehen zu lassen. Während dieser Zeit sitze ich beim Zahnarzt auf der Terrasse und genieße bei einer Tasse Kaffee das mediterrane Ambiente der Freiburger Hinterhöfe.
Am Montagmorgen ging es Uwe bedeutend besser, weil der Hauptschmerz nachgelassen hatte. Wir haben uns mit Brötchen eingedeckt und sind in den Schwarzwald "Schau ins Land" gefahren (ca. 1300m hoch). Gut gestärkt haben wir dann noch einen schönen Spaziergang durch das Grün, Rot und Braun des herbstlichen Schwarzwalds gemacht und dabei die Aussicht genossen. Gegen Mittag sind wir nochmals zur Kontrolle zum Zahnarzt gefahren und bekommen die gute Nachricht, dass wir ruhig schon heute bzw. morgen weiterfahren können. Die Wunde sieht recht gut aus und eine Entzündung könnte nur bis Mittwoch eintreten. Danach liegt das Risiko unter 5%. Kurzerhand packen wir unsere sieben Sachen zusammen und brechen am gleichen Tag noch Richtung Schweiz auf.
- Freiburg - Schau ins Land -
Die kommende Nacht wird noch bedeutend kälter als die vergangenen Nächte. Dies ist auch der Grund für unsere Eile, endlich in den warmen Süden zu kommen. Andererseits haben wir noch 30 SFR, die wir zuvor noch in unserem Bauch oder Tank investieren wollen. Dazu fahren wir in Lausanne ab und halten Ausschau nach was Essbarem. Leider ist es sehr schwierig, etwas Vegetarisches aufzutreiben. Wir sehen in einem Schnellimbiss noch eine Pizza und hoffen, dass diese ohne Fleisch ist. Doch dies ist ein Irrtum, so dass ich die Pizza alleine esse und wir den Rest des Geldes in Diesel investieren.
Frankreich und die Camargue
Etwas hungrig geht es weiter Richtung Frankreich. Uwe hat noch immer Zahnschmerzen und deshalb starke Angst vor den Zuständen der Zahnärzte in Afrika. Ich mache um 3.00 UHR Nachts den Vorschlag weiter Richtung "Parc de Camargue" (Naturpark am Mittelmeer) zu fahren. Wenn man für die Autobahngebühr zu geizig ist und nur Landstraße fährt, so ist eine Nachtfahrt unbedingt anzuraten. Schneller als gedacht treffen wir in Avignon gegen 8.00 UHR ein.
- Avignon -
Hier bestaunen wir die monumentalen Bauwerke bei ca. 6 °C Außentemperatur. Wir holen uns mit der EC-Karte nochmals 1400 FRF, weil dies bedeutend günstiger ist, als in Deutschland Geld zu wechseln. Gegen Mittag fahren wir weiter Richtung Mittelmeerküste und finden einen Moskito-Campingplatz in "Stes-Maries-de-la-Mer". Die 3 Sterne beziehen sich aber nicht auf die Camper, sondern auf die Moskitos, die rundum in einem schönen Wassergraben leben. Sie brauchen fürs Festessen nur kurz über den Zaun zu springen. Flucht ist zwecklos, da die kleinen Biester alle Tricks kennen. Sie setzten sich heimlich in der Kleidung fest und warten den günstigsten Augenblick für einen Kamikazeangriff ab. Dabei reicht ihnen das kleinste Fleckchen Haut, um ihren Gelüsten nachzukommen. Ich werde 3-mal am Hals erwischt und Uwe direkt auf der Backe getroffen.
Zumindest können wir uns wenigstens mal gut duschen. Wir schauen uns mit unseren Mountainbikes noch das Vogelschutzgebiet an und sehen viele verschiedene Zugvögel, die wie wir in Richtung Afrika reisen. Heute sind besonders viele Pelikane zu sehen. Gegen 14.00 UHR zahlen wir die 61 FRF Campingplatzgebühr und fahren über Montpellier nach Sète. Allerdings sollte man Montpellier meiden und irgendwie umfahren, da die Durchfahrt äußerst chaotisch war. Jedoch schien Montpellier eine sehr schöne Stadt mit vielen Monumentalbauten zu sein.
- Camargue - Frankreich -
Freitag, 31.10.1997
Gegen 16.00 UHR treffen wir in Sète ein und finden direkt ein Reisebüro. Hier erkundigen wir uns nach den Preisen und Abfahrzeiten für die Fähre nach Tanger / Marokko. Nach einigen Überlegungen und Abwägungen der Vor- und Nachteile einer Weiterfahrt nach Spanien, entschließen wir uns die Überfahrt zu buchen. Die Kosten liegen bei 815 FRF / Person (Student) und für das Auto unter 2m Höhe bei 1180 FRF. Dafür bauen wir unseren Dachgepäckträger ab und verstauen ihn komplett ins Wageninnere. Das bisschen Arbeit nehmen wir auf uns, um ca. 200 DM zu sparen (50% Aufschlag ab 2m Höhe). Beim Einchecken dürfen wir noch Zeuge einer Filmaufnahme werden. Ca. 10-mal wird den ganzen Nachmittag versucht eine Szene in den Kasten zu bekommen. Es geht nur darum, wie einige Passagiere winkend die Fähre (Marrakech) verlassen. Ziemlich lustig das Ganze. Gegen 18.15 UHR ist unser Bus gut verladen und wir haben eine Kabine mit Fenster.
- Sonnenuntergang am Mittelmeer -
Um Punkt 19.00 UHR legt die Fähre ab und wir sind froh die Kabine alleine zu besitzen. Gegen 19.15 UHR wird die Kabinentür aufgeschlossen und zwei arabische Männer im mittleren Alter stehen im Türrahmen. Genau wie damals in Uganda im Zug, als auch noch kurz vor der Abreise ein Inder zu uns ins Abteil stieg. Wie gewonnen so zerronnen. Sie sind aber sehr nett und kommen sofort mit uns ins Palavern. Anschließend machen wir noch einen Rundgang übers Schiff und stellen erstaunt fest, dass das Essen inklusive ist. Als wir das Fleisch ablehnen (No Meat) werden wir direkt als Deutsche erkannt.
- Unsere Fähre nach Marokko -
Mit dem Samstag lag nun ein ganzer Tag auf See vor uns. Die See war glatt, so dass das Schiff nur sehr schwach schwankte. Kurz vor Mittag war dann die Seenotübung angesagt. Unser Eindruck von dem Schiff Marrakesch ist, es ist zwar nicht das Neuste, aber die Sicherheitsvorkehrungen scheinen sie ernst zu nehmen. Das einzige Manko sind die relativ schmutzigen sanitären Einrichtungen. Wir verzichten deshalb aufs Duschen. Durch eine Flasche Rotwein zum Mittag werden wir ziemlich schläfrig. Wir begeben uns in die Kabine zum Schlafen. Das leichte Schaukeln und die Lichtreflektionen der Wellen an der Kabinendecke bewirken, dass der bloße Kontakt mit dem Kopfkissen zur Tiefschlafphase führt.
Am nächsten Morgen geht es mir ziemlich dreckig. Ich habe lange Zeit mit Bauchschmerzen im Bett gelegen. Wodurch dieser Grippeanfall mit Kopf- und Gliederschmerzen verursacht wurde, lässt sich nicht genau sagen. Erst nach der Einnahme einer Aspirin geht es mir ein wenig besser. In der Straße von Gibraltar werden wir von einigen Tümmlern empfangen. Leider ist es heute sehr windig und bewölkt. Gegen 10.00 Uhr (9.00 Ortszeit Marokko) legt das Fährschiff im Hafen von Tanger an. Wir sind sehr aufgeregt und haben ein bisschen Angst vor dem was kommen mag. Werden wir Probleme am Zoll bekommen?