Marokko - Land der Weihnachtsmänner
Einreise in Marokko
Die Ankunft in Marokko haben wir uns schon etwas anders vorgestellt. Wir stehen in der Schlange für den Zoll und von oben prasselt ein tierischer Schauer herab. Wir sehen wie viele der bis unter das Dach bepackten Fahrzeuge komplett umgekrempelt werden. Hoffentlich brauchen wir nicht alles aus unserem Simbamobil ausräumen. Wir haben aber Glück und die Zollbeamten und Polizisten werfen nur einen kurzen Blick in den Wagen. Dabei fragen sie uns mehrmals, ob wir nichts zu verzollen haben und ob wir Waffen besitzen. – sure – Wir müssen einem Helfer im braunen Kittel noch unsere letzten französischen Münzen (ca. 40 FRF) abdrücken, weil er angeblich ein gutes Wort für uns eingelegt hat. Leider können wir ihn nur durch die Gabe dieses Bakschisch abwimmeln. Wir erhalten noch einen Stempel in den Pass, sowie ein Einreisedokument (road license) für zwei Monate und tauschen fürs erste 200 FRF zum aktuellen Kurs von 1 : 1,603 (1 DM ca. 5,3 Dirham/DH). Glücklich ohne größere Probleme Tanger hinter uns gelassen zu haben fahren wir nach 40 km den Campingplatz Echrigui in Asilah an.
- Campingplatz in Asilah -
Den Montag nutzen wir, um uns ein wenig zu erholen. Ferner machen wir eine Radtour durch Asilah, das eine recht nette Altstadt mit engen Gassen und schönen Läden besitzt. Die Wassertemperatur des Atlantik scheint uns noch annehmbar zu sein, aber als einzige trauen wir uns nicht ins Wasser. Bei den Marokkanern ist uns aufgefallen, dass noch viele das urtümliche Gewand tragen. Wenn es regnet, ziehen sie ihre Kapuzen über, die oben spitz zulaufen. Aus diesem Grund sieht es aus, als ob überall Weihnachtsmänner rumlaufen -> Land der Weihnachtsmänner.
Erste Bekanntschaften mit marokkanischen Sitten in Fes
Das Wetter an der Küste ist so unbeständig, dass wir uns entschließen, zuerst in das Atlasgebirge Richtung FES zu fahren. Dabei durchqueren wir die hügelige Gharb-Ebene, die aber durch das schlechte Wetter recht trostlos wirkt. Deshalb beeilen wir uns weiter in den Süden zu gelangen. Uwe hat dabei fast einen Hund überfahren, der seelenruhig mitten auf der Straße lag. Dieser lief erst jaulend davon, als wir ihm notgedrungen über den Schwanz gerollt sind. Nachdem wir in FES zwei aufdringliche Touristenfänger abgewimmelt haben, erreichen wir den internationalen Campingplatz von FES.
- Marktplatz in Fes -
Wir fahren mit den Bikes in die Innenstadt. Nach einigem Hin- und Herirren finden wir die neue Innenstadt. Nach dem Mittag geht es weiter nach Medina, das alte Zentrum von FES. Wir nehmen uns fest vor, uns nicht wieder von Touristenjägern anquatschen zu lassen. Es hat alles keinen Sinn, denn schon nach wenigen Minuten werden wir extrem bedrängt. Wir entschließen uns für einen inoffiziellen Führer namens Mohamed.
- Handwerker in Fes -
Mohamed führt mich (Thomas) tief in die Gassen, während Uwe bei den Rädern wartet. Es folgt eine abenteuerliche Odyssee: Ich besuche eine Familie in einem winzigen Zimmer, trinke Minztee und verliere dann im Gassengewirr den Anschluss an Mohamed. Ich irre allein durch unheimliche Gassen, finde Uwe nicht mehr und die Panik steigt auf beiden Seiten. Uwe hat inzwischen die Polizei und den Oberführer eingeschaltet. Erst nach Stunden und mit Hilfe eines Taxis und offizieller Führer finden wir uns an einem Tor wieder und fallen uns fast weinend in die Arme.
Auf dem Campingplatz treffen wir zwei Briten und einen Australier (John und 2-mal Steve) mit einem Isuzu. Wir verabreden uns für Ende November in Dakhla für den Wüstenkonvoi. Die Nacht wird stürmisch, unser Wagen schaukelt tierisch im Wind.
Überquerung der Wettergrenze Atlasgebirge
Von FES geht es höher in die Berge nach Ifrane und Azou. Wir durchfahren einen urigen Korkeichenwald und kommen voll in ein Schneegestöber. Wer hätte das gedacht in Afrika!
- Schneegestöber im Atlasgebirge -
Hinter dem Pass wird das Wetter besser. Wir erreichen Midelt und fahren am Freitag weiter Richtung Er-Richidia durch das eindrucksvolle Tal des Ziz (Gorges du Ziz).
Rast im Paradies der blauen Quellen
Meski liegt ca. 18 km südöstlich von Er-Richidia. Wir bekommen einen wunderschönen Zeltplatz unter Palmen bei den "Blauen Quellen".
- Das Paradies der blauen Quellen mitten in der Wüste -
Wir fühlen uns wie im Paradies. Zu unseren Füßen fließt der Ziz gemütlich entlang. Wir unternehmen Spaziergänge zur Ruine "Old Casper" und genießen die Ruhe, auch wenn die sanitären Anlagen eher mies sind. Uwe telefoniert mit Kollegen und Familie in Deutschland – alles läuft bestens.
- Verlassene Stadt / "old casper" -
- Unsere Mitreisenden Stephen, Stephen und Jon -
Atemberaubende Wüste
Es geht voll Offroad Richtung Erg Chebbi, der höchsten Sanddüne Marokkos (350m). Wir treffen auf zwei andere Briten (Stuart und Helen) mit einem Zebra-Syncro.
- Erg Chebbi - mit 350 m die höchsten Dünen in Marokko -
In Merzouga beobachten wir den Sonnenaufgang. Später genießen wir die absolute Ruhe in der Wüste, bis wir uns im weichen Sand tief eingraben. Der Motor sitzt fest. Durch Schaufeln und den Einsatz unserer "Spezialsandbleche" (umfunktionierte Baustellenschilder) kommen wir nach einer Stunde frei.
- Sonnenaufgang über den Dünen -
- Der erste Einsatz unserer Spezialsandbleche -
Farbenspiel am Atlasgebirge
In der Todra-Schlucht (Gorges du Todra) sind die Felsen beeindruckend steil. Wir erkunden die Gegend mit den Bikes. Die Weiterfahrt Richtung Ouarzazate ist nervenaufreibend: Die Straßen sind schmal, die Ränder ausgefranst. Das Ausweichen bei Gegenverkehr gleicht einem Duell in der Kampfarena. Abends erleben wir ein purpurnes Sonnenuntergangs-Farbenspiel, gefolgt von einem riesigen Vollmond.
Wiedertreffen mit Jon
In Ouarzazate gibt es Ärger an der Tankstelle wegen der Kreditkarte. Ein Basarbesitzer hilft uns aus, was natürlich in einem extrem hartnäckigen Verkaufsgespräch über Teppiche endet. Wir treffen Jon und die Stephens wieder und verbringen den Abend gemeinsam mit Wein in einer bunten Runde aus Briten, Australiern und Deutschen.
Offroad auf alter Handelsstraße
Wir besuchen Ait Benhaddou (Filmkulisse). Danach folgt eine 45 km lange, heftige Piste Richtung Telouet. An einem Steilhang bricht unser Heck aus und rutscht Richtung Abgrund. Schweißgebadet und zitternd meistern wir die Situation im Geländegang. Übernachtung auf einem Kamelrastplatz.
- Offroad bei Benhaddour (Pumba) -
Wieder an die Küste
Über Marrakesch (wo wir eine marokkanische Gasflasche samt Adapter erstehen) geht es nach Agadir. Es regnet. In Tiznit treffen wir Stefan und Violetta, die nach Kapstadt wollen. Wir verlagern unseren Dachgepäckträger nach vorne, um die Hinterachse für das kommende Gelände zu entlasten.
Auf der Straße zwischen Ozean und dem Nichts
Es geht Richtung Mauretanien. Bei Laayoune haben wir einen Platten. Uwe bekommt zudem Fieber und Bauchschmerzen. Wir kurieren ihn in Laayoune-Plage aus, während wir das "Katzengejammer" eines Alleinunterhalters im Touristenkomplex ertragen müssen.
- Nachtlager Küste -
Westsahara - ein Stück Niemandsland
Die Fahrt durch die Westsahara führt uns über Boujdour nach Dakhla. Wir graben uns am Strand erneut tief im Sand ein, werden aber von hilfsbereiten Marokkanern befreit. In Dakhla genießen wir den sauberen Atlantik, kämpfen aber gegen eine wahnsinnige Fliegenplage im Bus, der wir schließlich den "Totalen Krieg" erklären.
- Uwe am atlantischer Ozean im Nirgendwo -
- Felsenküste atlantischer Ozean -
Aufbruch - Der Konvoi nach Mauretanien
Wir planen die weitere Route: Mauretanien, Senegal, Mali... Insha'Allah! Der Tag des Konvois beginnt mit Stress beim Geldumtausch.
Um nun bis zum Anfang der Regenzeit (Ende Februar) in die neue Demokratische Republik of Kongo zu gelangen, können wir uns nicht mehr ganz so viel Zeit für Westafrika lassen. Unsere Route ist im Augenblick noch wie folgt: Nach Mauretanien, Senegal und Gambia, soll es nördlich der Sahelzone durch Mali, Burkina Faso, Nigeria und Kamerun nach Zentral Afrika gehen. Genaueres steht aber noch nicht fest – In Shalam!
Um 14.50 Uhr startet der Konvoi mit etwa 50 Fahrzeugen. Wir fahren die 385 km lange Strecke in gut 5 Stunden bis zum Sammelplatz für die Nacht.
- Startaufstellung des Konvois von Marokko nach Mauretanien -
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